Tipps zur Mehlwurmzucht

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Gründe für eine eigene Mehlwurmzucht und ihre Verwirklichung

Getrocknet erhältliche Insekten aus Massenproduktion sind nicht gerade unter guter Ernährung zu verbuchen.

Eine ohne großen Kostenaufwand zu realisierende Haltung zum Wohle der »Lebendkost« und somit zum Wohle des Verzehrers, dem Hamster, soll hier deshalb einmal für Interessierte aufgezeigt werden.

Wie kam der Mehlwurm zu seinem Namen:
Geraten Mehlkäfer aus der Natur, die ihnen reichlich trockene, schattige Borkenverstecke und geeigneten Bodengrund mit reichlich Wildgemüse und zartem Wurzelwerk bietet, in einen menschlichen Haushalt, dringen sie bevorzugt in Mehlvorräte ein und legen dort auch Eier ab, wodurch sie ebenso wie die daraus schlüpfenden Larven ihren Namen davontrugen.

Aufbewahrung und Standortwahl:

Bei der Standortwahl gilt: Die Aufbewahrungsbox darf weder Feuchtigkeit, extremer Kälte noch dem direkten Sonnenlicht ausgesetzt sein.

Die Tiere lieben in allen Entwicklungsstadien normale Zimmertemperatur, eher Schatten als Licht (man darf sie also getrost in der hintersten Zimmerecke parken), eine gute Belüftung und trockenes Substrat.

Zur pannenfreien Aufbewahrung wählt man ein Behältnis ohne Ausbruchmöglichkeit und trotzdem guter Lüftung, idealerweise eine so genannte im Handel erhältliche Faunabox (Faunarium) mit Lüftungsschlitzen in Wänden und im Deckel.
Ein günstiges Maß aus dem üblichen Angebot: 30 × 20 cm, wie hier die untere Box.

Das Einrichten der Box:

Solch eine Box füllt man mit einer etwa fünf Zentimeter hohen Schicht (zarter) Haferflocken auf und gibt in eine Ecke einen Haufen von circa drei Esslöffeln Mehl beliebiger Art, gern auch Buchweizenmehl.

Die Oberschicht der Haferflockenebene wird von einer nochmals zwei bis drei Zentimeter hohen Schicht aus Grassamen und einer Auswahl an Blüten und Kräutern gebildet, wie sie auch unsere Hamster bekommen, allen voran der getrocknete Löwenzahn. Auch hiervon kann zusätzlich ein Hügel aufgehäuft werden, in den sich gern verkrochen wird.

Die Gabe von täglich einem frischen Gurkenstück (statt in den Morgen- und Abendstunden Tau zu schlecken) und das Einbringen von weiterem Frischfutter wie Salaten ergänzt das Nahrungsangebot.

Möchte man seine Mehlwürmchen besonders verwöhnen, besorgt man ihnen Korkrindenstücke aus der Reptilienabteilung (vor Einbringung ausbacken!), welche man locker auf die eingestreute Oberfläche auflegt. Manche der Würmchen und auch geschlüpfte Käfer begeben sich unverzüglich darunter, andere meißeln fleißig kleine Höhlungen in die Korkstücke hinein und halten sich darin gern auf. Die Kokussnuss rechts im Bild wird weit weniger gut frequentiert.

Wohlernährte, beschäftigte Würmchen/Raupen:

Ein flacher Stein sorgt dafür, dass unter dem Korkstück Luft zirkuliert.

Die fertigen, aus den verpuppten Larven geschlüpften Käfer:

Die Aktivität bei unterschiedlichen Vorlieben bringt einem ziemlich bald nahe, dass es sich auch hier um Tiere handelt, die eine Vorstellung von für sie gutem Leben haben.

Dazu gehört für sie auch, sich und ihren Lebensraum pingelig sauber zu halten. Bald hat sich am Boden der durchsichtigen Faunabox eine dunkle Schicht gebildet, die aus pulverisiertem Substrat besteht, in das sie ihre Endausscheidungsprodukte fein säuberlich einbauen. An dämmrigen Standorten und bei Nacht werden die Arbeitsgeräusche des in der Bodenschicht fleißig agierenden Trüppchens als permanent feines Knistern deutlich, legt man einmal das Ohr an die Box.

Ein Kollektiv an Würmchen lebt bis zur Verpuppung also nicht nur in dem Bestreben, unermüdlich in sich hineinzumampfen, sondern pflegt den Haushalt auch, den es bewohnt.

Gerüche bilden sich unter solch einer Haltung keine.

Die Wartungsaufgaben:

Dennoch ist die eingebrachte Schicht nach etwa vierzehn bis einundzwanzig Tagen so weit verbraucht, dass es sie zu wechseln gilt. Den Bewohnern dann eine frische Box zu bereiten ist wichtig, da Mehlwürmer genau wie alle anderen Tiere in Schmutz und Feuchte Darmparasiten entwickeln. Zur frischen Bettung werden Puppen und Würmchen sorgfältig herausgesammelt, was sich allerdings zeitraubend gestaltet.

Wer die eigentlich ganz possierlichen Würmchen (genau genommen keine Würmer, sondern Larven) und hilflosen Puppen (letztes Stadium in der Entwicklung zum Käfer) nicht anfassen mag, kann eine Pinzette zu Hilfe nehmen. Besonders Plastikpinzetten mit plumpen Enden (Knipex) eignen sich zum verletzungsfreien Heraussammeln gut.

Hier sieht man die herausgesammelten Larven, sie sind nahezu bewegungslos, können lediglich leicht zappeln.

Je heller eine Puppe, desto jünger ist sie noch. Ihr Fettgehalt ist höher, je jünger sie ist und nimmt mit zunehmendem Alter ab.
Ihr Verfüttern ist in ihrer Bewegungslosigkeit am angenehmsten und man kann sie einem Hamster, der sich selten blicken lässt, auch auf einem Tellerchen auslegen.

Die Würmchen müssen beim Heraussammeln in der Auffangschale durch einen hohen Rand gesichert werden. Käfer benötigen etwas mit Deckel, um während der Reinigungsarbeiten nicht zu entfleuchen.

Geschichten von Kannibalismus unter Mehlwürmern, der sich nur durch Fleischfütterung unterbinden lässt, entspringen der puren Unkenntnis. Davon abgesehen wie aberwitzig es klingt, gut gefüttertes Lebendfleisch davon abzuhalten, sich dieses einzuverleiben, indem man es mit minderwertig erzeugtem Fleisch davon abbringt: Kannibalismus unter Mehlwürmern und den geschlüpften Käfern entsteht nur aus der Not einer Mangelernährung heraus. Versorgt man sie wie beschrieben, krümmen sie sich gegenseitig kein Haar.

Die Entsorgung des verbrauchten Substrates:

In der Natur würde die verbrauchte Schicht unter Zuhilfenahme von Mikroorganismen zu feinstem Humus weitergewandelt. Steht ein Komposthaufen zur Verfügung, ist das anfallende Substrat also bestens zur wertvollen Anreicherung geeignet.

Bevor es in die Mülltonne entsorgt wird, sollte das anfallende (Bio-)Substrat samt und sonders in einer Tüte drei tage lang eingefroren werden. Das verhindert, dass Eier mit lebendigem Inhalt sowie eventuell übersehene Tiere unsinnig Leid erfahren.

Das Verfüttern:

Auch das Verfüttern muss einem nicht sonderlich leidtun. Natur stellt sämtliche ihrer natürlichen Vorgänge unter ihren Schutz. Gefressenwerden wird durch eine Ausschüttung von Schockhormonen begleitet, die den Vorgang für das Opfer unkenntlich macht. Nicht solch ein Ende ist grausam. Es ist sekundenschnell einfach ein Ende (und von dem Tier nicht einmal ein vorausgesehenes).

Grausam hingegen ist es, einem Tier, egal in welche Ordnung es von Menschen eingruppiert wurde, die Lebensgrundlage zu entziehen, die für es vorgesehen und deshalb seiner Art nach tief in ihm als instinktiv ersehnte Erwartung verankert ist.
Wer einmal erlebt hat, wie sich eine gerade noch eingepferchte kleine Flotte sofort daran macht, eine gut eingerichtete Faunabox einzunehmen, kaum dass sie dem Drangsal ihrer elenden Massenvermehrung entkommen durfte, weiß, von welchem Glück hier die Rede ist.

Würmchen/Larven und verpuppte Maden eignen sich gleichermaßen zum Verfüttern an die Zwerghamster.
Die fertigen Käfer tragen einen widerstandsfähigen Panzer und mögen von den Zwergen, bis auf ein paar etablierte Jäger unter ihnen, eher ungern verspeist werden.

Die Entwicklungsstadien:

Wie alle Larven, hat der Mehlwurm den Höhepunkt seines enormen Fettgehaltes mit Eintritt in die Verpuppung erreicht. Er liegt bei bis zu fünfzig Prozent und sinkt bis zum Schlüpfen des Käfers kontinuierlich wieder ab.
Wie lange ein Mehlwurm gedeiht, bis es zur Verpuppung kommt, hängt von der Zimmertemperatur ab. Je höher die Temperatur, desto eher die Verpuppung.
Frisch verpuppte Larven sind noch beinahe weiß, und verfärben sich dann ihrem Alter entsprechend bis zum Schlüpfen. Auch dieses Stadium ist wärmeabhängig.

Mehlkäfer sind ein paar Tage nach dem Schlüpfen bereits vermehrungsfähig.
Nach der Eiablage, welche mit bloßem Auge nicht erkennbar ist, schlüpfen allein aus der Ablage eines einzigen Käfers duzende kleinster Würmchen, die bis zur Verpuppung wieder fleißig wachsen und sich rundherum vollfressen.
Solch ein Vermehrungszyklus dauert je nach Wärmegrad (je höher, desto rascher) etwa zwölf bis sechzehn, im Winter bis zu zwanzig Wochen.

Wohin mit Vermehrungsüberschüssen:

Ein großer Zuchtüberschuss entsteht also wie gerade beschrieben schnell und die Tiere dürfen per Verordnung nicht in die Natur gegeben werden.

Die natürlichste Entsorgung entspricht von daher dem Einfrieren der überschüssigen Population.

Denn in der Natur erfrieren etliche Insekten im Winter, geschont durch einen Mechanismus, der sie über die einsetzende Kälte erstarren und unter massiv heruntergefahrener Körperfunktion in tiefen Schlaf fallen lässt, während sie für sie unmerklich in den Tod gleiten. Im Gegensatz zum Trocknungsprozess ein humaner Akt.

Mit freundlicher Genehmigung der Autorin dem Buch „Das kipi-Konzept“ entnommen.

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