Päppeln von Hamstern

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Generelle Informationen zu Gewichtsverlust

Gewichtsverlust kann jahreszeitlich bedingt erfolgen und sollte in diesem Fall als physiologisch gesunder Prozess angesehen werden, dem man zugunsten der Gesundheit eines Tieres nicht durch sogenanntes Päppeln entgegenzutreten braucht. Zwerghamster nehmen im Winter häufig ein paar Gramm ab, besonders, wenn sie gleichzeitig ins Winterfell wechseln.

Gleichwohl kann auch eine Erkrankung dahinterstecken, deren Ursache durch Zusatzkost allerdings nicht behoben wird. Das wichtigste ist hier, die ursächliche Erkrankung festzustellen und zu behandeln! Starker Gewichtsverlust sollte daher immer vom Tierarzt abgeklärt werden!

 

Kranke Hamster päppeln?

Ein gleichmäßiges Angebot des gewohnten Futters, sofern es sich nicht als ungeeignet herausstellt, reicht in den meisten Fällen völlig aus. Zur erfolgreichen Infekt Bekämpfung ist es sogar zweckdienlich, möglichst wenig Nahrung aufzunehmen, da der Akt des Verdauens den Kraftakt der immungesteuerten Keimabwehr behindert. Ruhe und ausreichend Flüssigkeit helfen Hamstern genau wie Menschen, nachhaltig zu genesen und allmählich wieder auf die Beine zu kommen. Gerade über das Frischfutter setzt man da wertvolle Impulse.

Einem während und nach einer Krankheit abgemagerten Tier über stark fetthaltige oder übertrieben kohlenhydratreiche Kost »ordentlich was zukommen zu lassen«, bringt vor allem eines: Übelkeit. In der Folge kann solch eine Fütterung sogar den Weg für Folgekrankheiten bereiten.

Aber:

  • Ein Klecks Joghurt pro Tag kann in der Krankheits- und Erholungsphase gereicht werden. In Bioqualität besitzt er eine präbiotische Wirkung.
  • Löwenzahnblätter und Ringelblumenblüten sollten im Krankheitsfall nicht fehlen.
  • Auch Löwenzahnwurzeln stellen ein gutes Angebot dar, falls der Hamster das Bedürfnis zu knabbern verspürt, aber gerade lieber nichts nahrhaftes zu sich nehmen möchte. Auf diese Weise kann er seine Zähne trotzdem nutzen, denn manchmal stellt sich durch eine vorübergehende Fressunlust bei fehlender Knabbermöglichkeit ein Zahnproblem ein. Das Inulin in diesen Wurzeln unterstützt zudem das Immunsystem.

Möchte man dennoch zu zusätzlich unterstützenden Maßnahmen greifen, um einen vielleicht doch allzu heftigen Gewichtverlust abzufedern, bietet sich Folgendes an:

  • An Extra-Kernen kann man täglich 1-2 Kürbiskerne reichen. Sie besitzen wertvolle Öle in Maßen. Ihre schleimhautschützenden Stoffe helfen bei entzündlichen Prozessen.
  • Auch die üblichen Nüsse und Pinienkerne kann man wechselnd in kleinen Stücken reichen. Bedenkt, dass ein Hamster einen etwa bohnengroßen Magen besitzt und ein erbsengroßes Stück für ihn eine Größe bedeutet, die für uns eine halbe Kokosnuss ausmachen würde.
  • Avocado Brei (die reife Frucht gequetscht) stellen eine hervorragende Kostbeigabe dar.
  • Gemüsebreie – hier eignet sich alles für Hamster an Frischfutterkost zulässige auch in gekochter Form.
    Für Mittelhamster greift man in der Babykostabteilung ihrem Geschmack nach vor allem zu Gemüseallerlei oder Karottenbrei. Aber auch alle anderen Gemüsegläschen können ihnen angeboten werden. Nudel- oder gar Fleischzusätzen wirkt sich eher ungünstig aus, da diese Zutaten den Stoffwechsel störend beschweren.
    Für Zwerghamster wählt man am besten Kürbis- oder Pastinaken-Brei.Sollte dies nicht gemocht werden, kann man ihnen auch Gemüseallerlei oder Karottenbrei anbieten. Aber Vorsicht mit beiden letzteren Sorten: Solch eine für sie schon sehr kohlenhydratreiche Kost sollte einen Teelöffel pro Tag nicht überschreiten. Zudem sollten sie nicht länger als eine Woche lang gegeben werden, da sich bei höherer und längerer Zufuhr Diabetes entwickeln könnte. Auch bei Zwergen wirken sich Nudel- oder gar Fleischzusätzen aufgrund für die bereits bei den Mittelhamstern genannten Gründe ungünstig aus.

 

Vorsicht bei Rezepturen, die als medizinische Spezialnahrung für Tiere angeboten werden. Hier sollte man unbedingt die Inhaltsstoffe checken, denn in der Regel sind sie aus industriellen, vitalstoffzerstörten Billigpulvern zusammengestellt und mit isoliertem Zucker angereichert. Die Gewichtszunahme geschieht, wenn überhaupt, auf Kosten zum Teil erheblicher gesundheitlicher Nachteile. Die Hervorhebung bestimmter unerlässlicher Stoffe, mit denen solche Produkte beworben werden, ergeben in der Regel ernährungstechnisch wenig Sinn und verschleiern, dass natürliche Produkte wie Gemüse oder wertvolle Körner diese »besonderen« Stoffe vielfältiger, und in sogar noch günstigerer Form liefern.

Sogenanntes »Eifutter« stammt aus dem Ernährungsbereich der Vögel – und ist mit Haushaltszucker angereichert. Für Zwerghamster eignet es sich deshalb nicht. Auch profitieren Säuger nicht in dem Maße vom Rohstoff »Ei« wie Vögel und Reptilien es tun, für die dieses Produkt ein eigens hergestellter Urstoff für ihre Nachzucht darstellt, während Säuger ihre Jungen vor- und nachgeburtlich über den direkten Anschluss an den mütterlichen Stoffwechsel aufziehen. Möchte man trotzdem gern mit Eifutter päppeln, empfiehlt sich das zuckerfreie Selbstherstellen. Der Vorteil besteht auch darin, zu Bio-Ware greifen zu können. Dazu einfach das hartgekochte Ei zerquetschen und eventuell mit etwas Wasser, Gemüsebrei oder Joghurt vermischen.

 

Alte Hamster päppeln?

Ein betagter Hamster vermag seinen Stoffwechsel nicht mehr so gut aufrechtzuerhalten. Aufgrund dessen nimmt er ab. Je weniger Masse sein Körper zu verwalten hat, desto mehr Kraft bleibt ihm für die wichtigen Dinge des Alltags: Kleine Kontrollrunden durchs Revier tappen, das Nest in Ordnung halten, Fellpflege betreiben, das Rad ein wenig beschreiten. Leckere Frischfutterkost, alle zwei bis drei Tage ein Klecks Gemüsebrei, vermehrt Avocado, Naturjoghurt und Extra-Kerne wie oben beschrieben, versüßen ihm das Leben. So einem alten Hutzelchen Breie mit allem möglichen fett gespickten anzubieten, sorgt vor allem für eines: Eine Überforderung seines nachlassenden Stoffwechsels durch eine Nährstoffüberflutung, die er gar nicht mehr nutzen, sondern mühsam wieder ausscheiden muss, was Energie kostet, die ihm an anderer Stelle fehlt.

 

Junge Hamster mit gesundheitlichen Problemen oder geringem Gewicht päppeln?

Auch bei ihnen ist kein Vorteil zu verbuchen, wetteifert man um ihr Gewicht. Im Vergleich haben sie größere Chancen, dauerhaft durchzukommen, akzeptiert man ihr Fliegengewicht und ernährt sie artgerecht. Häufig hat ein geringes Gewicht bei Jungtieren etwas mit vorheriger schlechter Ernährung im Wachstum zu tun.   Das kann durch schlechtere Versorgung mit Muttermilch bei einem sehr großen Wurf oder nicht artgerechtem Futterangebot in der Aufzucht der Fall sein. Bietet man den Kleinen eine artgerechte Ernährung an, werden sie das Gewicht im gesunden Maß von alleine aufholen. Jungtiere zu „mästen“, damit sie schneller ein bestimmtes Gewicht erreichen, kann für ihre Entwicklung und Gesundheit sogar eher kontraproduktiv sein.

Wenn (einzelne) Jungtiere sich auf Dauer auffällig verzögert entwickeln, sollte eine mögliche Grunderkrankung vom Tierarzt abgeklärt werden.

 

Hamster mit Zahnproblemen päppeln?

Kann der Hamster keine Körner mehr knacken, müssen diese gemörsert oder besser gut zermahlen angeboten werden. Eine elektrische Kaffeemühle leistet in solch einem Fall unersetzliche Dienste. Bitte beachte, dass du zuvor die Buchweizenkörner heraussammelst, da der Farbstoff ihrer Schale nicht verzehrt werden sollte. Unverwechselbar, sie sehen aus wie Miniatur-Bucheckern. Im Drogerie- oder Supermarkt, sowie in Bioläden findet sich auch geschälter Buchweizen, den man stattdessen zugeben kann. Die gepulverte Kost wird von den Hamstern automatisch zwischen den Spelzen herausgemümmelt. Stelle ihm die zermahlenen Körner also ruhig einfach samt Schalen vor sein Näschen.

Auch Frischfutter kann weiterhin, fein geraspelt, angeboten werden. Gequetschte Avocado ist in solch einem Fall einfach unersetzlich und dem Geschmack nach sehr beliebt.

Reichen diese Maßnahmen in extremen Fällen nicht aus, oder liegt eine schmerzhafte Backentaschenbeteiligung vor (unbedingt vom Tierarzt abklären lassen!), sodass auch Weiches nicht mehr gekaut werden mag (Hamster besitzen neben den Schneidezähnen ja auch Backenzähne), kann man zu den bereits aufgeführten Babybreigläschen greifen oder das übliche Frischfutter, in Wasser gegart, püriert anbieten. Körnerbreie lassen sich für Zwerghamster mit geschälten Zutaten wie Buchweizen und Hirse aus dem Bioladen, Super- oder Drogeriemarkt herstellen. Für Mittelhamster eignen sich des Weiteren auch Getreidekörner, Mais und Hülsenfrüchte. Pürierte Kichererbsen (vor dem Kochen einweichen), sind ausgesprochen nahrhaft, werden gern pur genossen, und in Fällen, in denen die Ernährungsmöglichkeiten eingeschränkt sind, auch für Zwerghamster zu empfehlen. Das Gleiche gilt für Reis.

Den mehlhaltig verkochten Zutaten kann man zu dreißig Prozent geschälten und zermahlenen Sesam, Leinsamen und Mohn (von letzterem nur in Prisen), Kürbiskerne – und im Wechsel Sonnenblumen- Pinienkerne und Nüsse zugeben. Im Verhältnis von siebzig Mehl- zu dreißig Öl-Anteil angerührt, geben solche Breie die nötige Energie und reichen in etwa an die Qualität einer gewohnten Futtermischung heran. Möchte man also 50 Gramm Körnerbrei herstellen, so gibt man zu 35 Gramm des mehlhaltigen Anteils (Buchweizen, Hirse, Kichererbse) noch 15 Gramm von den öligen Zutaten hinzu.

Neben Joghurt kann solch einem Zahnpatienten auch ab und zu ein erbsengroßes Stück Butter spendiert werden.

Bitte bedenkt beim Anreichern der Breie mit Nüssen und Pinienkernen, dass diese extrem reichhaltig sind. Da Brei sehr rasch in großen Mengen geschleckt wird (1 flacher Teelöffel voll bedeutet für uns im Verhältnis schon einen tiefen Teller voll Essen), bemerkt das Tierchen erst eine Weile nach der Aufnahme, dass ihm unter Umständen übel wird. Für Hamster fatal, da sie nicht in der Lage sind zu erbrechen (fehlender Reflux). Daher mit der angebotenen Menge nicht übertreiben.

 

Zwangsernährung?

Diese, auch in der Humanmedizin zunehmend in Verruf geratene, einschneidende Vorgehensweise sollte man gründlich überdenken. Ob ein Tier zu seinem eigenen Wohle gerade nur sehr wenig Nahrung aufnimmt, oder es tatsächlich zu wenig ist, vermögen wir kaum zu beurteilen und richten mit unserem Eingreifen womöglich völlig unnötig Schaden an. Denn natürlich schieben wir alle Panik, und neigen mitunter zu Übersprunghandlungen, wenn mit unseren Lieblingen plötzlich etwas nicht mehr stimmt.

Jedoch: Ein Tier, das noch zur Gesundung imstande ist, wird bei üblichem Nahrungsangebot sicher nicht verhungern. Stellt ein altes oder unheilbar krankes Tier also das Futtern gänzlich ein, geht es mit Sicherheit nicht an einer launischen Unlust zugrunde, sondern etwas ist ganz und gar nicht in Ordnung mit ihm.

Da man (nach tierärztlicher Abklärung, ob unter anderem mit den Zähnen alles in Ordnung ist), in solch einem Fall davon ausgehen kann, dass dieser Prozess der Nahrungseinstellung vom Organismus als Schutzmechanismus eingeleitet wird, um das Geschöpf vor einem sich dahinziehenden Leid zu bewahren, sollte man dies respektieren.

Für Tierärzte ist das Einstellen des Fressens ein Indiz dafür, dass es dem Tier so extrem schlecht geht – es womöglich unter unstillbaren Schmerzen leidet –, dass sie eine Einschläferung befürworten, sofern sie keinen Therapieansatz mehr sehen. Diesen letzten Liebesdienst sollte man seinem kleinen Liebling gewähren, so weh es tut, bevor man sich in eine Aktion versteigt, die letztendlich niemandem nützt, am wenigstens dem, dem sie zukommt.

Für Hamster birgt das gewaltsame Einflößen von Nahrung zudem eine extreme Gefahr der Aspiration, vor allem bei ungeübten Haltern. Lungenentzündung kann die böse Folge sein.

 

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